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Was weisst du über das Freisein? Erinnerst du dich noch daran?

Lass mich dir eine Geschichte erzählen. Sie handelt von den Adlern in den Bergen, und von den Bären im Wald, von den Walen im Ozean. Sie handelt von den Flüssen dieser Welt, von den Wolken und den Regentropfen. Sie handelt von dir.
Steinadler im Flug
Du bist so frei wie ein Vogel, so stark und unabhängig wie ein Bär, du kannst in deinem Lebensfluss schwimmen, wie ein Fisch im Wasser. Deine Seele ist frei, und dein Körper, trotz seiner Bedürfnisse, ist es auch.

Eines aber unterscheidet dich von den Tieren, den Wolken, den Regentropfen: dein Wille ist frei. Und du bist nicht absichtslos. Dieser freie Wille und deine Absichten haben dir viele Erfahrungen beschert. Nicht alle haben dir Freude gemacht. Du hast den Schmerz deines freien Willens gespürt, bis du der Illusion erlegen bist, das Freiheit Schmerzen bereitet. Du bist vorsichtig geworden. Du hast nicht nur vergessen, das wahre Freiheit die einzige Möglichkeit ist, geborgen zu sein. Du hast auch vergessen, dass wahre Freiheit eine Aufgabe ist. Du musst für dich selber jagen, du musst dem Wind trauen, der dich über die Berge trägt. Du musst der Welt von Auge zu Auge ins Angesicht schauen, im Wissen deiner Kraft, im Wissen ihrer Kraft. Du hast vergessen, dass dies da, wo die Liebe absolut ist, und wo weder die Welt, noch dein Platz in ihr in Frage gestellt werden, das einzige ist, was getan werden kann.

Lass mich dich erinnern, dass Frei sein nicht das Losgelöst sein ist von allem, sondern das Verbunden sein mit allem. Lass mich dich erinnern, dass Freisein nicht die Abwesenheit von Aufgaben ist, sondern das vollständige Verschmelzen mit ihnen.

Du kennst das Freisein. Du kennst eigentlich alles andere viel weniger als das. Und doch musst du Freisein neu lernen. Lass mich dich erinnern, dass du frei geboren, frei geschöpft bist. Deine Seele ist frei, und solange du nicht frei lebst, spürst du die Wahrheit deiner Seele als Sehnsucht in deinem Herzen. Sie bleibt ungestillt, solange du dich in dem verstrickst, was nicht wahrhaftig ist, solange du das ablehnst, was für dich zu tun ist.

Deiner Bestimmung zu folgen ist nichts Extravagantes, es ist das einzig Natürliche. Es ist die Rückkehr in die Einheit mit der göttlichen Gesetzmäßigkeit. Alles kehrt an seinen Platz zurück, die Weltordnung stellt die Balance wieder her. Das ist was gerade geschieht. Wir erwachen in der Realität unseres Lebensflusses. Die Wesen und Welten haben die Schwelle erreicht, und es ist Zeit. Zeit, uns nicht nur an unsere Freiheit zu erinnern, sondern sie mit Handeln zu füllen, und darin unsere Ganzheit zu erkennen. Wir alle sind gerufen, uns zu erinnern, damit wir uns gegenseitig erinnern können. Wir alle sind gerufen, uns auf der Erde als himmlische Wesen zu erkennen, damit wir diese höchste Erkenntnis an keinem Platz in allen Welten jemals wieder vergessen. Lass dich erinnern von den Adlern und Wolken und Regentropfen. Lass dich erinnern, von allen Wesen, die um dich sind. Erkenne dich als Vollständig, als Heil und Ganz. Dann ist deine Angst vor der Freiheit für immer vergessen. Ich bitte dich, erzähle mir, wie diese Geschichte weiter geht. Fliege auf den Schwingen der Adlers, und lese in den Himmeln. Mir machen sie Mut. Sie erzählen mir, dass alle Wesen glücklich sein dürfen.

Wenn du in dein HeilSein und FreiSein eintauchen willst, dann melde dich jetzt an für den Online Heiler-Kongress vom 01.03.-05.03.2017

Erwartung und Gegenwart

Dandelion To Sunset - Freedom to WishWer Erwartungen hat, muss warten“ hat meine Freundin Isabella immer gesagt. Das kommt von Baba und sie hatte viele Gelegenheiten, mich daran zu erinnern. Ich dachte: ja, warten, das stimmt, das kenne ich. Vielleicht wäre es leichter, nicht(s) zu (er)warten.

 

Irgendwann begann ich sie zu sehen, die Er–Wartung. Ein schmieriger Film auf dem Jetzt, eine hartnäckige Schliere, wo klare Sicht sein könnte. Sie bindet doppelt: In dem Moment, in dem wir Erwartung erschaffen (Vertrauen) und in dem Moment, in dem Erwartung eintrifft oder ent-täuscht wird (Lebendigkeit und Freude). Sie neigt dazu, immer wieder die gleichen Erfahrungen zu produzieren, sie kennt es nicht anders. Der individuelle Fluß des Moments ist nicht frei, wir haben in der Vergangenheit eine Verabredung mit einer Voraussetzung getroffen, die uns mit großer Wahrscheinlichkeit versetzen wird.

Das einzige Heilmittel ist die Liebe, jetzt. Die Gegenwart kommt nie zu spät. Dort im offenem Herzen liegt der Zugang zu allen Wegen, allen Wundern. Nur so können wir uns auspacken, offenbaren, mit allem Potenzial, mit aller Anziehungskraft, mit aller Wahrhaftigkeit. Keine faulen Kompromisse, kein vertagtes Glücklichsein. Dann bleibt keine Zeit, Erwartungen zu konstruieren  – wir sind beschäftigt mit dem Echten. Wir müssen uns nicht mehr sorgen. Wir erfahren, dass für uns gesorgt ist.

Gentle Colors of Sunrise SkyJetzt ist eine gute Zeit, sich für das Jetzt zu entscheiden. Das trifft immer zu, und gleichzeitig mehr denn je. Unsere Erlösung liegt nicht mehr in der Auflösung von Vergangenheit, sondern in der Schöpfung von Jetzt und Jetzt und mehr Jetzt. Wir schreiben die Regeln neu, dabei können wir uns nicht auf das Gestern verlassen. Wir haben keine Zeit, das Morgen zu erwarten. Es ist die Entscheidung, den Pakt mit uns selbst zu erneuern, und stetig an unserer eigenen Seite zu stehen. Nichts mehr binden zu wollen, das nicht zu uns fließt. Eine Offenbarung für alle Beziehungen. Vor allem die zu uns selbst. Glück kommt aus mir, jetzt. Alles, was ich dafür brauche, ist Gegenwart. Vor allem meine eigene.

Danke, Isabella. Danke, Baba.

Erinnerung

Erinnerung heißt verstehen, heißt ganz werden.

bookER – wie in erklären, erarbeiten, erfinden – steht für den Weg, für etwas, dass wir uns aktiv erschließen. Bei der Er-INNER-ung ist es der Weg nach Innen. Das Innen, das Wissen, ist da. Ich muss bloß hingehen, hineingehen, meine Augen öffnen, hinsehen.

Einfach so? Erinnerung hat ihre eigene Dynamik. Sie kommt manchmal plötzlich. Das hat etwas mit unserer Bereitschaft zu tun. Auf mindestens einer Ebene müssen wir offen sein für das, was kommen möchte. Deshalb kommt Erinnerung immer zum richtigen Zeitpunkt. Dann, wenn wir das, was sie uns offenbart, fassen können – wenn auch nicht immer bewusst.

Wie können wir uns erinnern? Indem wir weniger bewerten, begrenzen, beschließen. Dafür mehr beobachten, wahrnehmen, stehen lassen, integrieren. Das, was das Leben mir da zeigt, ist ein Stück von mir. Was macht das mit mir? Wie habe ich das gerufen? Hat sich das angekündigt, habe ich es gesehen, wann habe ich es eingeladen? Erinnern ist erforschen. Erforschen auf der Ebene, die hinter den Gedanken liegt. Und dann plötzlich loslassen, fallenlassen, alle Türen auf, alles willkommen heißen.

Nepaly BellsErinnerung hat viele Gesichter. Bilder, Farben, Emotionen, Worte, wenn wir neue Dinge lernen und uns dabei fühlen, wie ein Fisch im Wasser. Dieses ganz sichere Gefühl des Wissens, der Freude. Sie ist oft subtil, zart und trotzdem dürfen wir dem trauen, was wir sehen.

Es ist ein Jahr, in dem großes Potenzial für Erinnerung liegt. In dem wir klar sehen können, wenn wir sowohl die freudvollen, als auch die schmerzhaften Aspekte einladen, und beide feiern und beide ziehen lassen, so wie sie es verlangen.

Und das Jahr verlangt diese Erinnerung auch von uns. Die Zeitqualität stupst nicht mehr sanft, wir dürfen, wir sollen ganz hineingehen. Das bedeutet, noch mehr alte Begrenzungen aufzugeben, um die Fülle der Möglichkeiten, der Zusammenhänge, der Wunder zu sehen. Wir sind bereits mittendrin.

Hingabe

Heilung geschieht durch Hingabe.

Was heißt es, mich hinzugeben? Hingeben ist das Gegenteil von Zurückweichen, von Zurückhalten. Gib dich hin. Und dabei gibst du alles (da)hin, was nicht du bist. Und du gibst dich allem hin, was du wirklich bist.

Hingeben heißt erlauben, loslassen, vertrauen, schmelzen. Aber auch tragen, entscheiden, ermutigen, ermächtigen, in die Kraft treten, dort, wo wir dazu aufgefordert werden. Wenn wir uns hingeben, dürfen wir das empfangen und erfahren, was zu uns gehört. Hingabe kann alten Schmerz aufbrechen lassen und auflösen. Hingabe ist wie eine Abkürzung zu Freude und Dankbarkeit. Hingabe verbindet das Außen und Innen, Energie und Materie. Hingabe bringt Fluss, bringt tiefe Tiefen und hohe Höhen. Vollständige Hingabe ist das Ende von Getrenntsein. Sie geschieht durch Vertrauen in das Leben selbst. Lade Vertrauen und Hingabe ein, in dem du zum Beispiel morgens sagst: Danke, Vater, für einen neuen Tag der Liebe. Und abends: Danke, Vater, für eine neue Nacht der Liebe. (Essener-Gebet nach Agni). Oder sage: Welches Wunder möchtest du, das ich heute vollbringe? (aus ‚A Course Of Miracles‘, interpretiert von Gabrielle Bernstein) Geh in den Tag und lass dich tragen. Wie ein Vogel im Wind, und du weißt, wann du schwebst, und wann es Zeit ist, mit den Flügeln zu schlagen.

Hingabe heißt für mich in diesem Jahr: hin zu meiner Gabe. Und auch: ich bin bereit, meine Gabe(n) hinzugeben. ‚Erst wenn ihr von euch selber gebt, gebt ihr wirklich’, heißt es in ‚Der Prophet’ von Khalil Gibran. Wenn wir uns (hin)geben, fangen wir an, aus unserer Quelle zu schöpfen, uns wahrhaftig zu (mit zu)teilen. Angst wird kleiner, Ausrichtung klarer.  Freude, das Eintauchen in den Moment und Fülle immer gegenwärtiger. Die Wahrnehmung und eigene Wahrheit klarer. Hingabe ist gleichzeitig der Schlüssel und das Schloss, ist die Tür, die aufgeht und das, was sich dahinter zeigt. Und: Hingabe ist Übungssache. Sie kann in allem sein, was du tust. Viele kleine Schritte der Hingabe jeden Tag sorgen dafür, dass du in Siebenmeilenstiefeln unterwegs bist, bevor du es überhaupt bemerkst.

PS: Für alle, die einen besseren Zugang zu ihrer Hingabe erfahren möchten, ist ein Seva-Dienst in Amritabha oder einem anderen Lichtzentrum eine tolle Möglichkeit.

Vollständigkeit

Du bist vollständig.

Als ich darüber nachgedacht und nachgefühlt habe, womit ich das neue Jahr füllen möchte, bin ich über die Vollständigkeit gestolpert. Meine Vollständigkeit. Da war sie auf einmal. Und ich habe sie nie so gesehen, nie in ihrer einfachen Absolutheit.

Sie lief mir über den Weg, weil ich mich zwischen den Tagen nicht vollständig, sondern eher ein bißchen leer gefühlt habe. Im Nachsinnen und Lesen und nach Strohhalmen greifen tauchte sie plötzlich auf, die Vollständigkeit – und ein sofortiges Loslassen und Verstehen und eine Freude und Erinnerung in jeder Zelle.

Ach ja: Ich bin vollständig – in einem ständigen Zustand der Fülle.

DAS möchte ich im nächsten Jahr leben, mehr und mehr erinnern, daraus schöpfen. Meine Wünsche und Aufgaben für das neue Jahr – es geht hier nicht um Dinge, die mir fehlen, die ich mir hinzufügen möchte oder gar muss, um mich zusammenzusetzen.

„Everything in the universe is within you. Ask all from yourself. – Das ganze Universum ist in dir. Schöpfe alles aus dir.“ sagt ein Zitat von Rumi.

Vollständigkeit gibt Weite, gibt Raum für alle Aspekte und auch für scheinbare Widersprüche. Wenn wir darüber nachdenken, was wir (uns in) dem neuen Jahr geben wollen, dann können wir unbeschwert aus uns schöpfen. Bindungen lösen, selbstständiger, selbsterfüllter zu leben oder mit weniger Angst durch Erfahrungen zu gehen: Das Verständnis „Ich bin vollständig“ ist der Schlüssel. Sofort ist da Stärke.

Ich bin bereits GANZ. Ganz und gar.

Und alles, was mir zu tun bleibt, ist auszuwählen, welche meiner Aspekte ich neu oder mehr oder anders leben möchte. Fast wie ein Kind im Süßigkeitenladen.

Auch wenn wir schon mitten drin sind: Ich wünsche euch allen von Herzen ein gesegnetes 2016, voller Verbundenheit mit und Seligkeit über eure Vollständigkeit

Eine Schule für die neue Zeit, eine neue Schule für unsere Zeit

Ein Interview mit Kura und Muran Müller.

Was braucht ein Kind, um in der Welt von morgen bestehen zu können? Eine Frage, die die Welt verändern kann – jedenfalls, wenn jemand sich aufmacht, um neue Antworten zu finden. So wie Kura und Muran, die gerade die Privatschule Zürisee gründen. Das Gespräch mit beiden hat mich beeindruckt – die Energie und Stärke, Freude und Hingabe, mit der das Paar seine Vision auf die Füße stellt, ist… groß!

12232818_10207051861268882_2880032375843474424_oSeit zwei Monaten wohnen sie mit ihren beiden Kindern an ihrem Familienkraftplatz in Hombrechtikon am Zürichsee. Jeden Tag sind sie auf ihrer Mission Wegbereiter, Schulleiter, Lehrer, und Architekten gleichzeitig. „Wenn ihr ein Land und seine Strukturen kennenlernen wollt, gründet eine Schule“, sagt Kura.

Die Bewilligungsverfahren bei der Gemeinde und beim Kanton laufen und die Zürisee Schule wird voraussichtlich im Spätsommer 2016 eröffnet. Bis dahin gibt es viel zu tun und gleichzeitig entsteht durch das Homeschooling der beiden eigenen Kinder, sowie zwei Kindern einer befreundeten Familie, bereits gelebter Schulalltag.

Was brauchen Kinder für die Welt von morgen – oder vielleicht, um ihr morgen gestalten zu können?

Zugang zur eigenen Lichtkraft und dabei gleichzeitig eine gute, weltliche Bodenhaftung und Tatkraft. Deshalb wollen wir das individuelle Wesen der Kinder von Anfang an fördern. Dazu gilt es, sowohl viel Freiraum zu gewähren, als auch eine gezielte Führung zu geben. Kinder mögen, wie auch Erwachsene, sinnvolle Aufgaben. Das Gefühl entsteht durch Begeisterung, durch selbst gewählte Inhalte und durch Anforderungen, die jedem Kind einen Lernerfolg ermöglichen. Wir lernen, indem wir erleben: Draußen sein, Aufgaben für die Gemeinschaft übernehmen, Ausflüge, Projektarbeit und Themen übergreifende Lernfelder sind zentral. So bekommen die Kinder Selbstgefühl, lernen, den Alltag zu meistern, kommen in Berührung mit ihren Fähigkeiten und entwickeln ein Bewusstsein für den Umgang mit ihren Widerständen.

Wie sieht ein Tag in der Zürisee Schule aus?

12240951_10207051860388860_5433448738191209760_oAktuell beginnen wir den Tag mit einem gemeinsamen Frühstück, für das die Kinder selbst in der Umgebung einkaufen gehen. So lernen sie Selbstständigkeit – das Planen von Mahlzeiten, sich in der Gruppe abzustimmen und auch den Umgang mit Geld. Ebenso gehören feste Aufgaben wie Putzen, Waschen und Tiere füttern zum Ablauf. In Stundenpläne trägt jedes Kind seine geplanten Aktivitäten ein. Dazu kommen die gemeinsamen Aktivitäten im Kreis, in Bewegung oder beispielsweise im Wald, sowie thematische Einheiten. Es ist eindrücklich zu erleben, wie vernetzt Wissen angeeignet und Fähigkeiten erweitert werden: Viele nachhaltige Impulse ergeben sich aus dem natürlichen Fluss beim gemeinsamen Essen, auf dem Spaziergang oder beim Studium einer Zeitschrift. Da kommen die Fragen und Inhalte auf den Tisch, die ein oder mehrere Kinder gerade beschäftigen und für die sie besonders aufnahmefähig sind. Der Schultag geht in der Regel von neun bis 17 Uhr. Eintreffen können die Schüler aber bereits ab 8 Uhr; nach 17 Uhr können sie freiwillig bleiben, um etwas abzuschließen oder falls die Eltern noch nicht zu Hause sind.

Wie seht ihr die Aufgabe der Lehrer und der Experten an der Schule?

Das Wesen und das Potenzial eines jeden Kindes zu erkennen, damit es gezielt begleitet werden kann, bildet die Basis. Im täglichen Unterrichtsgeschehen geht es vor allem darum, den Raum und die Ausrichtung für die jeweilige Einheit zu schaffen und zu halten. Dafür braucht es auch großes Improvisationstalent und die Fähigkeit, den Fluss und den Forscherdrang in Bewegung zu halten. Das Lehren entspricht in dieser Art einem Mentoring. Wenn der Lehrer oder ein Experte mit seiner Begeisterung präsent ist, entsteht das, was wir ‚Taten‘-Feld nennen: Die Kinder sind inspiriert und sehr aufnahmefähig.

Welche Vorgaben gibt es zu erfüllen, damit die Schule anerkannt wird?

Die wichtigste Verpflichtung ist die Orientierung am kantonalen Lehrplan und an den hiesigen gesellschaftlichen Werten. Oft wird in unserem Umfeld jede Art von Lehrplan als Schreckgespenst empfunden, weil die Schattenseiten wahrgenommen werden.

12189318_10207051858908823_211575382681823912_oDabei gibt es hier unerwartete Lichtseiten, die zu entdecken uns berührt hat. Im Zürcher Lehrplan zum Beispiel sind zehn Grundhaltungen beschrieben, eine davon ist die „Muße“! Hierzu steht: „Muße heißt Zeit finden, um auf sich selbst, auf andere, auf die Welt aufmerksam zu werden. Die Schule räumt auch Zeit für Muße ein. Die Muße dient dem Innewerden, der Selbstbesinnung, der Einfühlung in andere Menschen. Aus innerer Ruhe wächst Kraft. Schüler, Schülerinnen, Lehrerinnen und Lehrer pflegen Muße, indem sie Zeit dafür finden, sich zu sammeln, zu lauschen, zu schauen, zu betrachten, zu bedenken, zu staunen, Stimmungen einwirken zu lassen.“ Entscheidend ist also, den Lehrplan stimmig mit dem ,inneren Lehrplan‘ jedes einzelnen Schülers zusammen zu bringen.

12240265_10207051858508813_4861900121263871536_oFür uns ist es ein wichtiges Anliegen, dass jedes Kind im Rahmen seiner Potenziale lebenstauglich wird. Dazu gehören in der heutigen Zeit Lesen und Schreiben, Mathematik und anderes. Nur so können Kinder ihre Himmelsaspekte in der aktuellen Zeit auf der Erde einbringen. Wir als Erwachsene sind in einer solchen Betrachtung Reiseführer, welche die Reisenden nach und nach in die Kultur, in die Lebensweise vor Ort und in die Funktionsweise der Gesellschaft einführen. Diese Adaption an die Erde ist für viele Kinder schmerzhaft, weil es mitunter ihren himmlischen Erfahrungen widerspricht und/oder weil sie noch mit früheren Erfahrungen in Resonanz gehen.

Für wie viele Schüler bietet die Schule Platz und für welche Eltern und Kinder ist eure Schule interessant?

Wir werden etwa 50 Plätze haben, vom Kindergartenalter bis in die neunte Klasse. Sie werden dann nach Alter in Betreuungs- und Lerngruppen aufgeteilt. Natürlich ist die Schule ein Anziehungspunkt für Familien, die bereits einen bewussten spirituellen Background haben. Wir sehen hier am Zürichsee aber auch viele Familien bei denen, zum Beispiel durch die berufliche Ausrichtung der Eltern, Interesse und Offenheit für neue Bildungswege bestehen. Potenzialentfaltung ist ja nicht nur bei Schulen ein Thema, sondern zunehmend in der Berufswelt. Das eröffnet auch uns ein neues Feld für unsere Arbeit.

Neue Strukturen schaffen, und dabei gegebene Vorschriften erfüllen: Wie erlebt ihr die Schulgründung?

Es kann sehr fordernd sein – wer neue Strukturen schaffen und zum Teil auch mit alten brechen möchte, erlebt viele Widerstände und viel Unverständnis. Insbesondere die baulichen Vorschriften sind sehr umfassend und werden von Gemeinde zu Gemeinde, von Amt zu Amt unterschiedlich und unkoordiniert ausgelegt, was teilweise zu widersprüchlichen Vorgaben führt. Dennoch müssen sie so schnell wie möglich und im Rahmen der finanziellen Möglichkeiten umgesetzt werden, um die Bewilligung durch den Kanton zu erhalten. Außerdem ist der Schulalltag zu gestalten und wir besuchen Seminare und Weiterbildungen; Kura führt ihre Praxis weiter. Das Wissen, dass es unsere gemeinsame Aufgabe ist, lässt uns weitermachen. Der Antrieb, der darin steckt, ist größer als wir, und stärkt uns den Rücken.

Liebe Kura, lieber Muran, herzlichen Dank, dass ihr euch die Zeit genommen habt! Danke für eure wunderbare Arbeit, ich wünsche euch von Herzen viel Freude und Erfolg.

www.schule-zuerisee.ch

Eltern und spirituelle Entwicklung

Es sind nicht nur die Kinder, die wachsen. Eltern wachsen auch.

Baum des LebensWie passen der eigene Weg und der Familienweg zusammen? Wie sind wir gute Eltern und dabei uns selbst treu? Wie gehen wir mit räumlicher Trennung und schlechtem Gewissen um? Um Fragen wie diese drehten sich für mich als Mutter eines vierjährigen Sohnes viele Gespräche – es sind Fragen, die die meisten Eltern bewegen, die sich neben dem Familienleben Raum für sich nehmen. Hier möchte ich von meinen persönlichen Erfahrungen dieses Jahr berichten – und von einem Gespräch mit Sita Kleinert, die in ihrem SitaMa Zentrum Seminare und Ausbildungen unter anderen zum Thema spirituelle Geburtsbegleitung und Kommunikation mit Kindern gibt.

Ich war dieses Jahr einige Wochen von zu Hause weg, getrennt von meinem vierjährigen Sohn, um Seminare zu besuchen und Seva-Dienst zu machen.

„Wie machst du denn das?“ „Haltet ihr das so lange ohne einander aus?“ „Und wer kümmert sich um deinen Sohn?“ Eine Mischung aus bewundernden und verwunderten Blicken habe ich als Reaktion bekommen, wenn ich von meinen Plänen erzählt habe. Und auch für mich selbst war es gar nicht so einfach, diesen Raum aufzumachen, diesen Zeit-Raum nur für mich.

Die ersten acht Tage, zum „Weg ins Licht“, bin ich mit schlechtem Gewissen aufgebrochen. Es fühlte sich falsch an, etwas zu tun, in dem mein Kind keinen Platz hat. Und doch fühlte es sich richtig an. Ich war so ausgefüllt, dass es keinen Raum gab, für Heimweh, oder dafür, meine Entscheidung in Frage zu stellen. Eine tolle Erfahrung von Unabhängigkeit; davon, wie Liebe und Dankbarkeit fließen, wenn wir Freiraum geben und bekommen. Ich kam verändert zurück nach Hause, mit jeder Menge Geschenken für das Familienleben im Gepäck – wenn mir das auch erst rückblickend richtig bewusst wurde.

Wie ist das eigentlich, wenn Eltern einen inneren Ruf spüren, der bedingt, dass das Familienleben ein wenig Platz machen muss? Zeiteinteilung und Betreuungsfrage sind ja schon ein Balanceakt und heikles Thema, wenn es ,nur‘ darum geht, dass wir arbeiten, um zu (über-)leben. Wenn wir uns aber nun aufmachen, und Zeit investieren, um glücklich und authentisch zu leben – dann liegt der (Selbst-)Vorwurf Egoismus oft nicht fern.

SCHULDGEFÜHLE BINDEN UND LASSEN ELTERN UND KINDER KEINEN RAUM, UM FREI ZU SEIN

Gleich das erste Thema, über das ich mit Sita gesprochen habe, sind Schuldgefühle.

„In dem Moment, wo der Wunsch ,es gut machen zu wollen‘ wichtigster Aspekt für meine Entscheidungen wird, bin ich eigentlich schon in der falschen Ausgangslage,“ erklärt Sita. „Ausbrechen, aus dem Rad von Erwartungen und Bildern über das Zusammenleben von Eltern und Kindern, kann ich, indem ich den Mut finde, meine Kräfte immer wieder bei mir zu sammeln. Nur so kann ich mich selber, meine Intuition spüren, ihr folgen und individuelle, für mich und meine Familie richtige Entscheidungen treffen. Wenn Eltern ihre eigenen Bedürfnisse wahrnehmen, dann bedeutet das nicht ein weniger, sondern ein mehr an Liebe. Die Liebe dehnt sich aus – und Eltern können vorleben, was es bedeutet, glücklich zu sein. Nicht guter Stimmung, sondern glücklich – ein Gefühl, das durch Freiheit entsteht.“

FESTE STRUKTUREN ODER: WENN DER GÖTTLICHE FUNKE IM ALLTAG FEHLT

Alle Eltern kommen an den Punkt, sei es im Kleinen oder Großen, an dem sie die Verpflichtung fühlen, bestimmte Strukturen oder Verhaltensweisen zu leben, um es ,richtig‘ zu machen. Wir wollen unseren Kindern von Herzen Geborgenheit, Sicherheit, geregelte Abläufe, eine sorgenfreie Kindheit geben.

Ich bin dankbar, dass ich sowohl als Kind, als auch als Mutter erleben durfte, dass dieses scheinbar sichere Gerüst leer und grau sein kann, wenn darin die Dynamik, die Freude und die Authentizität fehlen – inzwischen würde ich sagen: wenn der göttliche Funke im Alltag fehlt.

Aber, wie ist denn das eigentlich mit den Strukturen – sowohl denen, die unseren Tagesablauf regeln, als auch denen, die unser Zusammenleben und unsere Be-Ziehung zueinander gestalten?

Sita hat es folgendermaßen zusammengefasst: „Wenn ich mich an meiner inneren Führung orientiere, kann ich Strukturen schaffen, die zu mir und meiner Familie passen. Handele ich im Sinne der Gesetzmäßigkeit (also entscheide ich frei von Emotionen und indem ich der Liebe folge), finden sich immer genau die Lösungen, die allen dienen.“

LOSLASSEN UND NAH SEIN, WIE PASST DAS ZUSAMMEN?

Eine erstaunliche Erfahrung für mich war, dass, als ich das vierte Mal in diesem Jahr in so großer Selbstverständlichkeit aufgebrochen bin, ohne Tam-Tam, ohne schlechtes Gewissen, mein Sohn die zweieinhalb Wochen mit echter Leichtigkeit gemeistert hat. Aber: nicht immer fügt sich alles reibungslos. Nicht immer geht es, oder, ich möchte mir hier erlauben zu sagen: nie geht es in dem unermesslichen Abenteuer, Kinder groß zu ziehen, ganz ohne Verletzungen von statten. Auch als Eltern sind wir menschlich, selbst in unserer größten Liebe, egal, wie sehr wir uns bemühen, die richtigen Entscheidungen zu treffen. Einen spirituellen Weg einzuschlagen, ändert daran nichts, aber es bringt uns näher zu uns selbst. Und damit auch denen näher, die wir lieben.

Wie geschieht das genau? Wie können wir unseren Kindern näher sein? Und wie bringen wir Führung und Freude in den Alltag?

Two Readers on a Park BenchSita hat mir dazu folgendes erzählt: „Wenn wir einen spirituellen Weg einschlagen, erfahren wir, dass wir alle Wesen sind, die mit ihren individuellen Aufgaben auf die Erde kommen. Wir lernen nicht nur, dass es wichtig ist, unserem eigenen Plan zu folgen, sondern erkennen auch, dass unsere Kinder von Anfang an vollständige Wesen sind, die ebenso ihren Weg verfolgen. Wir können beginnen, sie loszulassen, Ihnen zu vertrauen, sie ihrem Weg anzuvertrauen. Indem wir unseren Kindern Raum geben, ganz selbstverständlich ihrer Führung zu folgen – für die sie meist noch sehr empfänglich sind – leben wir das Bewusstsein ,Ich bin in Gott‘ vor. Wir kommunizieren auf einer anderen Ebene mit ihnen, der Inneren und erkennen sie nicht als unsere Kinder, sondern als die himmlischen Wesen, die sie sind.“

„Was für eine Mutter möchte ich sein?“, habe ich mich immer wieder gefragt, seitdem mein Sohn auf der Welt ist. Inzwischen habe ich die Antwort gefunden: eine glückliche! Und das bedeutet für mich: selbstverantwortlich, wahrhaftig, greifbar, ausgerichtet. Richtig auf den Punkt gebracht hat es für mich das folgende Zitat der amerikanischen Autorin Joice Maynard:

„Es sind nicht nur Kinder, die wachsen. Eltern wachsen auch. Und so, wie wir darüber wachen, was unsere Kinder mit ihrem Leben machen, beobachten sie uns dabei, wie wir leben. Ich kann meinen Kindern nicht sagen, dass sie nach der Sonne greifen sollen. Alles, was ich tun kann, ist meine Arme selbst nach ihr auszustrecken.“

Den Raum dafür, eigenverantwortlich Glück zu leben, können nur die Eltern öffnen, für sich selbst und ihre Kinder – indem sie vorleben, dass es erlaubt ist, seinem eigenen Weg zu folgen.

Die heilende Kraft der Leichtigkeit

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Bei mir Zuhause hieß es immer: Erst die Arbeit, dann das Vergnügen. Es war sehr wichtig, immer möglichst viel getan zu haben, sich Dinge auch wirklich verdient zu haben und hart für sein Leben zu arbeiten.

Spätestens als ich in der Arbeitswelt ankam, habe ich dieses falsche ,Mantra‘ voll gelebt. 60-Stunden-Wochen waren normal, genau wie der Gedanke, das ich Anerkennung nicht durch mein Da-Sein, meine guten Ideen oder mein freundliches Wesen verdient habe, sondern dass ich immer noch eine Schaufel drauflegen muss. Die wurde stets gerne genommen, und ich war schon mit 27, nach meinem Studium und den ersten drei Jahren im Beruf, richtig erfolgreich und richtig, richtig müde. Zum Glück habe ich die Reißleine gezogen, und gekündigt, ohne einen neuen Job zu haben. Das war mein erster kleiner Schritt ins Vertrauen, in die Unabhängigkeit und zu mir.

Der Glaube, sich alles Gute im Leben hart erarbeiten zu müssen, sitzt bei vielen von uns tief. Folgen wir der Angst, dem Karrieredruck und unseren materiellen Wünschen, bleiben wir schnell im Zustand des ständigen Mangels kleben – und haben keine Zeit mehr, einfach nur (zufrieden) zu SEIN.

Zu arbeiten, dass hieß für mich ganz lange nur Druck und Stress. Bei jedem größeren Projekt hat mein Körper Alarm geschlagen – manchmal schon, bevor ich überhaupt angefangen habe. Inzwischen bin ich selbständig und übe mich immer mehr darin, (in) Freude zu schaffen. Eine der wichtigsten Lektionen meines frühen Ausgebrannt-Seins war, dass die Trennung von Berufs- und Privatleben eine große Illusion ist. Wenn wir in dem einen Bereich nicht bei uns sind, nicht Loslassen und Vertrauen können, dann sind wir auch nach Feierabend nicht entspannt und bei uns selbst. Zum Glück ist nichts besser geeignet, als die Selbständigkeit, um die Gesetzmäßigkeiten der Leichtigkeit zu erforschen.

Selbst die größten Kämpfer unter uns kennen sie, die Magie, dass die richtigen Dinge passieren, wenn wir unangestrengt unseres Weges gehen.

Eigentlich ist es die Magie des Lebens selbst. Sie ,passiert‘ wenn wir ihr Raum geben, zu wirken. Wenn wir keine festen Pläne machen, wenn wir keine großen Erwartungen haben, wenn bereit sind, Ideen und Vorstellungen fallen lassen, um mit dem Fluss zu gehen. Dann geschehen, ganz ohne dass wir etwas erzwingen müssten, wahre Wunder. Beim Rotwein auf dem Balkon entsteht eine tolle Geschäftsidee, die to-do-Liste erledigt sich im wahrsten Sinne von Selbst oder wird einfach auf die Hälfte eingekürzt. Menschen, Angebote und Informationen kommen genau im richtigen Moment zu uns.

Erfüllung und ein gutes Auskommen finden wir, wenn wir mutig und geduldig genug sind, unserer Freude zu folgen und auf unser Herz zu hören – gerade im Business.

Dandelion on woman handIn unserer Zeit ist die Magie der Leichtigkeit zur großen Kunst, ja sogar Überlebenswichtig geworden. Wir haben so viele Entscheidungen zu treffen! In unserer großen Freiheit und mit der großen, weiten Welt zum jederzeit zum Greifen nah, haben wir viel zu selten beide Hände, den Kopf und das Herz frei, um das Leben mit seiner ganzen Kraft einfach durch uns hindurch und in unser Sein hinein strömen zu lassen. Um uns zu fokussieren, Prioritäten zu setzen, das zu genießen, und das zu erschaffen, was direkt vor uns steht. Doch genau so entsteht Heilung. Heilung von Vorstellungen, die nicht der Realität entsprechen. Heilung von Mühen, wenn das Leben uns neue Wege zeigt. Hier lassen wir uns vom Leben selbst leiten und lehren.

Die Magie der Leichtigkeit liegt darin, nicht zu denken, ich muss erst dies und das noch fertig machen und DANN kann ich …

Oft ist das DANN für die wirklichen wichtigen Dinge reserviert. Die Meditation, ein echter Austausch mit einem lieben Menschen, eine lange Nacht voller köstlichem Schlaf, die Herzensaufgabe oder das kreative Projekt, an das wir immer wieder denken. Um die heilende Kraft der Leichtigkeit einzuladen, hilft es manchmal, unsere Prioritäten auf den Kopf zu stellen: uns selbst wieder voran, die Liebe wieder an die erste Stelle der to-do-Liste. Und gleich dahinter das Vertrauen in das Werden, in das Sein – unser eigenes und das von jedem, der uns umgibt. Wer vertraut, muss nicht alles selbst tun, wer vertraut, darf ,Nein‘ sagen und anderen ihre Verantwortung zurück geben. Wer vertraut, kann sich den wirklich wichtigen Dingen des Lebens widmen.

Leichtigkeit bedeutet für mich heute, meinem Herzen zu folgen. Zu erkennen, dass ich aus gutem Grund genau dort bin, wo ich gerade stehe und das alles zu meinem Besten geschieht. Und vor allem, das alles, was wirklich zu mir gehört, auch leicht zu mir kommen kann. Die Magie der Leichtigkeit liegt für mich darin, zu spüren, dass ich, wenn ich leicht bin, heil bin. Dass mein leichtes Sein anderen hilft, leicht zu sein.

Licht und Schatten

Wie unsere Dunkelheit zum Leuchtverstärker unseres Lichts wird

An einem warmen Frühlings-Sonntag über Dunkelheit zu schreiben, ist leicht, sie ist weiter weg als an anderen Tagen. Und doch, auch wenn die Sonne warm scheint, Dunkelheit ist immer da. Sie ist Teil eines jeden von uns, und sie ist, in gewissem Sinne, ein Teil unseres Lichts. Manchmal erscheint sie ganz unerwartet hinter der nächsten Ecke. Vielleicht aufgeschreckt durch eine schlechte Erinnerung, eine Angst, einige unbewusst gelebte Tage oder eine Konfliktsituation mit einem geliebten oder ungeliebten Menschen. Die Auslöser mögen von außen kommen. Die Dunkelheit aber ist in uns. Eine Reaktion auf Situationen, die wir nicht annehmen, nicht wahrhaben, denen wir uns nicht stellen wollen.

Full sun eclipseGenau dort, an der Schwelle zu unseren Schatten, liegt das Geheimnis: Nur wenn wir bereit sind, unsere Dunkelheit zu sehen, da sein zu lassen, können wir auch unser Licht erfahren. Ablehnung und Abwendung lassen sie wie durch Zauberkraft immer größer und mächtiger werden. Eine weise Freundin hat es mir einmal so erklärt: Wir haben eine unendliche Skala von Schatten auf der einen, und Licht auf der anderen Seite. Und nur so weit, wie wir bereit sind, uns in die eine Richtung vorzuwagen, haben wir auch die Kraft, uns in die andere zu bewegen.

Was ist Dunkelheit? Eigentlich nicht mehr, als die Abwesenheit von Licht. Dennoch hat sie viele Gesichter, zeigt sich in Emotionen, Opfer-Mentalität, Selbstmitleid, in Depression oder Wut. Sie ist dort, wo wir nicht wahrhaftig sind, wo wir nicht in unsere Stärke und Verantwortung für uns und dieses Leben treten. Dunkelheit wird erst gefährlich, wenn wir ihr ein Eigenleben zusprechen. Wenn wir sie nicht als Teil unseres Selbst, sondern als Kraft von außen erfahren.

Der erste Schritt, ihr zu begegnen, ist Bewusstsein. Die Erkenntnis, dass wir sie selbst herauf beschworen haben – auch wenn wir vielleicht (noch) nicht wissen wie. Von dort aus können wir weiter gehen, die dunklen Löcher mit Liebe und Helligkeit fluten. Manchmal können oder dürfen dies auch andere für uns tun – Heilung geschieht.

Mit jedem Mal, in dem wir uns aus eigener Kraft dem Licht zugewendet haben, werden wir stärker. Erkennen, wenn auch vielleicht erst mal unterbewusst, unsere Führung – die Kraft, zu entscheiden, ob wir Schatten oder Licht zu unserem Leitstern machen wollen. Der Trick bei der Sache ist, zu erkennen, dass es nicht das Licht ist, das flüchtig ist. Licht ist allgegenwärtig, in Gott, in der lebensspendenden Kraft, die uns umgibt, in unseren besten Visionen von uns selbst (jedenfalls in denjenigen, die aus dem Herzen kommen).

In Wirklichkeit ist es die Dunkelheit, die flüchtig ist. Je mehr wir ihr von Angesicht zu Angesicht begegnen, uns nicht verurteilen, sie nicht vertuschen wollen, desto schneller zieht sie vorbei. Sie wird zur wichtigen Lektion oder ist kühlend wie ein Sommergewitter. Dunkelheit kann uns erden, demütig machen, auf unsere wahren Qualitäten und auch auf unsere Illusionen aufmerksam machen. Wenn wir nur unser Gesicht so oft wie möglich der Sonne zuwenden, im Wissen, dass der Schatten, der dabei fällt, uns Tiefe verleiht. Er ist ein Zeichen unserer Körperlichkeit hier auf Erden.