„Sich heute als Heiler / Spiri zu outen fühlt sich genauso an, wie sich vor 20 Jahren als Schwuler zu outen…“

Das hört sich extrem an – doch: Was ist an dieser Aussage wirklich dran? Und: Warum ist es so?

Vor ein paar Tagen wurde dieser Satz eines Managers einer Verlagsgruppe an mich herangetragen und berührt, wie ich finde, ein großes Thema unter Heilern und in der aktuellen Zeit.

Warum löst der Beruf des Heilers, bzw. das „Spiri“-Sein – manchmal Schmunzeln aus? Warum hat man als Heiler solche Hemmungen, sich als der/ die, die man ist, zu outen und das Heiler-Sein als vollwertigen Beruf anzuerkennen?

Suggestions bad and goodIch kenne es aus eigener Erfahrung – als ich mich als Heilerin outete, fühlte es sich an, als würde ich im Feuer stehen…

Viele Menschen begegneten mir mit Skepsis, auch mit Nichternstnehmen.

Andere hingegen suchten bald Rat, Unterstützung und Hilfe.

Wie kommt es, dass es bei diesem Thema so große Unterschiede bei den Reaktionen und Menschen gibt?

Auf der einen Seite ist es natürlich so, dass das Heiler-Sein gesellschaftlich und rechtlich noch etwas unbekannt ist (siehe Artikel  Heiler – Berufung wird zum Beruf). Das prägt in den Köpfen und Gefühlswelten der meisten Menschen die „Realität“ und gilt als Maßstab, so dass es faktisch und gefühlsmäßig nicht leicht ist, sich daneben als real und wertvoll zu positionieren und sich nicht als fremdartig oder ähnliches abstempeln zu lassen.

Auf der anderen Seite leben wir aktuell in einer Zeit, in der die Sehnsucht vieler Menschen nach „mehr“, nach „Ganzsein“, nach „sich selbst ganz leben und einbringen“ immer stärker wird und damit auch die Öffnung für Spiritualität und Heilung.

Ich kann dazu nur von meinem eigenen Weg erzählen, wie ich Skepsis und Misstrauen überwand und mich gewissermaßen in mir selbst von den Vorurteilen befreite…

Über eine eigene schwere chronische Krankheit hatte mich mein Weg vor zehn Jahren zu einem geistigen Heiler geführt und ich habe vieles angenommen und auch vieles in Frage gestellt. Vor allem, weil ich nicht immer und sofort alle meine Symptome losgeworden bin. Ich hatte Ängste und Zweifel und doch bin ich immer wieder zu dem Schluss gekommen, dass ich mit den geistigen Heilmethoden weiterkomme als bislang. Dass ich glücklicher geworden bin, seit ich zum Heiler gegangen bin. Und trotzdem wollte ich es noch tiefer verstehen.

Für mich persönlich war es wichtig – vor allem, um mich nach meiner eigenen Heilerausbildung selbst Heilerin zu nennen –, den Begriff des Heilers und des Heilens zu durchdringen. Ich fragte mich immer wieder:

Was bedeutet für mich Heilung und Heiler-Sein?

Gentle Healing WordsLange Zeit war Heilung für mich gleichgesetzt mit der Heilung von Symptomen, also dem Gesundwerden bzw. Gesundsein. Irgendwann stellte ich jedoch fest, dass es für mich noch um etwas ganz anderes geht bei Heilung – nämlich darum, mich Ganz zu fühlen. Ganz da zu sein, mit allem, was ich bin. Mich zu leben, in meinem Potential, mit allem, was ich mitbringe – und da treten die ein oder anderen körperlichen „Symptömchen“ dann galant in den Hintergrund.

Heute bin ich gesund und ins Reine gekommen mit dem Heiler-Sein. Ich habe sozusagen selbst erfahren, dass es neben der körperlichen Heilung eine weitaus größere Dimension gibt, die ein Heiler in einem berühren kann und darum geht es für mich bei Heilung. Es geht um die Berührung mit dem eigenen Sein. Und um das Erkennen des eigenen Weges. Und das kann ich guten Gewissens weitergeben.

Je mehr ich wirklich tief in mir und in meinem eigenen Heil- und Heiler-Sein angekommen bin, desto leichter fiel es mir, mich Heilerin zu nennen.

Ich bin also einen Weg der tiefen und gründlichen Auseinandersetzung gegangen. Ich habe „Heilung“, und mich und auch andere als Heiler geprüft, meine Prüfung bestanden und mir dadurch meinen eigenen Weg als Heiler geebnet.

Mittlerweile arbeite ich selbst seit vielen Jahren als Heilerin und spirituelle Lehrerin und erkenne für mich, dass sich die Spiritualität komplett mit meinem Alltagsleben verbunden hat. Ich mache keinen Unterschied mehr. Kommunikation aus dem Herzen und meiner Liebe ist für mich im Arbeitsamt oder bei der Bank genauso relevant wie im Kontakt mit einem Klienten oder der Dame an der Kasse bei Aldi. Zum Meditieren muss ich nicht in den Ashram fahren, sondern kann es in der Straßenbahn tun, oder eine halbe Stunde am Tag an meinem Altar zuhause. Mein Leben findet heute einfach in einem größeren Kontext statt. Ich habe meine Sicht „erweitert“. Und das kann ich jetzt denen weitergeben, die mir mit Skepsis und Unverständnis begegnen, weil sie einen anderen Weg gegangen sind.

Im Kontakt mit Klienten oder interessierten Menschen beantworte ich alle Fragen. Ich weiß, dass ich nichts tue, was nicht einer Gesetzmäßigkeit folgt und von mir nicht auch kommuniziert werden kann. Ich stelle mich der Skepsis, biete Menschen Erläuterungen für meine Handlungen und erzähle ihnen offen von meiner Sicht auf den Menschen, die Welt und innere und äußere Zusammenhänge.

Und ich glaube, dass genau das der Weg der Heilung für „das Outen“ ist. Er geht über das Verstehen. Sich selbst und den anderen. Es geht darum, sich selbst und einander anzunehmen. Ängste abzubauen, die Perspektiven zu erweitern und dadurch die Welten zu verbinden.

Wenn ich sicher bin, wer und was ich bin, und was ich kann, dann kann ich eine Brücke bauen zwischen „den anderen“ und mir, weil ich die Welt der Heilung und des Heiler-Seins als Realität erlebe und „verstehe“.

Deshalb habe ich heute auch diesen Artikel geschrieben. Weil es mir am Herzen liegt, das Tabu um das Heiler-Sein aufzuheben und eine solche Brücke zu bauen zwischen zwei Welten. Eine Brücke des Verstehens und der Liebe.

Was sind deine Erfahrungen zum Thema „Outen“ als Heiler? Was brauchst du von einem Heiler, um deine Vorbehalte loszulassen?

Wenn du magst, teile deine Antworten mit uns in den Kommentaren!

3 Gedanken zu „„Sich heute als Heiler / Spiri zu outen fühlt sich genauso an, wie sich vor 20 Jahren als Schwuler zu outen…“

  1. Ich finde den Titel des Artikels einen spannenden Vergleich und denke, da ist was Wahres dran. Danke, dass du das so wunderschön in Worte gefasst hast und viele davon haben mir aus dem Herzen gesprochen. Besonders schön fand ich, dass du geschrieben hast, das es bei Heilung um die Berührung mit dem eigenen Sein geht. Ja, so empfinde ich das auch. Alles Liebe, Kritara

  2. Naja, da gibt es doch einen Unterschied…Schwule und Lesben haben eine leichte sexuelle Entwicklungsstörung manchmal auch genetisch bedingt oder ein unerlöstes Trauma. Man outet sich ja auch nicht gerne wenn man eine mentale oder emotionale Entwicklungsstörung und oder eine Phobie hat. Irgend ne größere oder kleinere Macke hat ja jeder, deshalb braucht man niemanden abzulehnen aber eine Störung als „Ausdruck sexueller Vielfalt“ zu betrachten und DAFÜR Akzeptanz zu erwarten ist seltsam.

    Das Wort Heiler löst in unserer Welt in der nur das Sichtbare zählt aber einfach Angst aus und das wird überkompensiert in dem es ins Lächerliche gezogen wird. Allerdings gibt es ja auch so viele naive unreife Personen ohne WIRKLICHE Kraft und Hingabe die sich Heiler nennen dass diese Skepsis als Warnung zur Vorsicht auch berechtigt scheint.

    Ist ja auch eigentlich egal wie man sich nennt… eine Bekannte von mir hat wirklich eine erstaunliche Wahrnehmung und Heilkraft und nennt sich schlicht Lebensberaterin…..

  3. Danke Insha, auch ich hardere immernoch damit, denn viele Menschen schauen mich erst einmal ganz dumm an, oder haben einen Blick von Unverständnis in ihrem Gesicht. Dennoch gibt es Menschen, die mich suchen und deren Leben sich grundsätzlich durch unsere Begegnung geändert hat. Das gibt mir Mut, denn nicht jeder will verstehen.

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