Unsere Dunkelheit birgt unsere größten Schätze  

Inspiriert von dem schönen Artikel von Sonja über Licht und Dunkelheit vor ein paar Wochen möchte ich heute über Dunkelheit schreiben.

Diamond and CoalIch liebe die Dunkelheit! Erst glauben wir, sie sei das Schlimmste was es überhaupt gibt, ganz im Sinne von: „Ich kann alles lieben, aber das geht eindeutig zu weit“. Doch wenn man sich ihr wirklich hingibt, ohne den mahnenden Zeigefinger der vorab schon alles verurteilt, sondern sich ganz in ihre Tiefen versinkt, entdeckt man längst verloren geglaubte Qualitäten und Schätze.

Sie ist ein Teil von uns, den wir tief in uns weggesperrt haben, zu tief sitzt die Angst, dass wenn dieser Teil an die Oberfläche kommt, er vielleicht Schaden anrichten oder Schande über uns bringen könnte.

Ich möchte eine Geschichte mit Euch teilen.

Seit mehr als drei Jahren bin ich Mutter von einem tollem Sohn. Als ich Mutter wurde hatte ich viele Glaubenssätze in mir. Viele waren geprägt aus meiner eigenen Kindheit. Meine eigenen Verwundungen klangen noch in Sätzen in mir nach. Sätze, die ich selbst niemals meinem Kind sagen wollte. Vieles hatte ich mir geschworen, dass ich es anders machen würde. Ich wäre immer liebevoll, würde meinem Kind immer alles schön erklären, immer verständnisvoll, und somit in einem harmonischen Fluss mit meinem Kind sein. So hoffte ich und das hätte vielleicht mit einem anderen Kind wunderbar funktioniert, aber nicht so mit meinem Sohn. Im spirituellen Fachjargon würde man jetzt sagen er ist ein ganz schön grosses und starkes Wesen, im irdischen Sprachgebrauch sagt man, er weiß was er will und hat einen echten Dickkopf. 😉

Ich merkte also mit der Zeit, dass meine Ideen, immer alles lieb und nett zu erklären, für ihn nicht ausreichen. Notgedrungen wurde mir bewusst, dass er mit meiner Liebe gleichzeitig viel Klarheit und Stärke von mir braucht und fordert. Wenn ich aber selbst noch nicht durchdrungen von diesen Qualitäten bin, kann aus dem Wissen eine starre Strenge werden oder ein schwelender Ärger, der auszubrechen droht.

Wenn er also zum Beispiel am Flughafen während ich gerade die Pässe herauskruschtle mir unter den Absperrungen davon läuft, nicht auf mich hört und das noch lustig findet, dann hat mich das sehr hilflos gemacht. Aus der Hilflosigkeit wurde Wut. Und die wollte ich auf keinen Fall haben. Nein, denn wenn ich ein spiritueller Lehrer bin und Liebe mein Weg ist, dann sollte ich diese Wut nicht haben. In anderen Worten, ich wägte meine Wut als eine Schwäche. Und ihr kennt bestimmt eure eigenen Muster oder inneren Sätze, die euch dazu kommen.

Durch eine sehr tiefe Heilarbeit zu meiner eigenen Kindheit, habe ich entdeckt, dass jedoch genau in dieser Wut mein Schatz verborgen liegt. In ihr steckt ein unbändiges Feuer, eine mächtige Kraft, die von nichts beirrbar der Liebe dient, lebendig, wild, unbändig und lebensfroh. Und das ist die Kraft, die mein Sohn braucht und der er folgen kann. Mein Herz darf wild werden und meine Kraft machtvoll. Alles darf wieder seinen Platz in mir finden. Es ist Zeit die Grenzen meiner Hilflosigkeit zu verlassen und mich neu zu entdecken.

Und als Ergänzung: Wer jetzt glaubt ich würde meinen Sohn jetzt immer anschreien, dass Gegenteil ist der Fall. Seitdem ich mir erlaube auch mal laut und ungehalten zu werden, merke ich dass dieses „ungehalten sein“ im Alltag immer weniger wird. Denn der springende Punkt ist, ich lasse meine Kraft zu! Es entsteht ein neuer Respekt und eine neue Nähe unter uns, Ausgelassenheit und Freiheit.

Meine Wut hat mich nicht nur gerüttelt und aufgefordert mich mir neu zu öffnen, sondern sie selbst hat den Schatz in sich getragen. Wer weiss, vielleicht war sie ja sogar selber wütend, dass ich ihre Schönheit und Kraft so lange verkannt habe? 😉

Unsere Dunkelheit verliert ihren Schrecken und gibt ihren wohlgehüteten Schatz preis, wenn wir uns ihr liebevoll zuwenden. Dann wird sie ein Juwel unserer Seele, ein Teil unserer Göttlichkeit, der von ihr genährt ist und Göttlichkeit ausdrückt, egal in welcher Form. So kann Liebe die wärmende Umarmung, die heilenden Hände sein oder die unbändige Macht mit der Jesus die Tische der Händler im Tempel umwarf. Unsere Kraft wird gelebte Göttlichkeit.

Ich möchte Euch alle ermuntern, schreckt vor keiner, nicht einer einzigen eurer „Dunkelheiten“ zurück. Wenn die Zeit gekommen ist, könnt ihr in Liebe, vielleicht mit der Hilfe eines liebenden Heilers oder Lehrer, den Schatz bergen, den Eure Dunkelheit so lange für Euch gehütet hat.

Ein grosses Om Jay an Euch alle!

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